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GÖTTIN FÜR DEN MONAT MAI 2020

Maia

Maia ist zum einen eine griechische Muttergöttin und ihr griechischer Name Maia bedeutet „Mütterchen“. Sie ist die, aus der alle Fruchtbarkeit kommt. Auch in der alten römischen Kultur finden wir die Göttin Maia: Ihr römischer Name leitet sich vom alt-italischen Wort „magia“ = Kraft der Vermehrung ab. Sie gilt als die Großmutter aller Magie und gab dem Monat Mai seinen Namen – dieser wunderbaren Zeit, in der die Magie der schöpferischen Lebensenergie die Natur in Fülle und Schönheit hervorbrechen lässt.

In jedem Jahr dürfen wir neu staunend und beglückt diesen Rausch des neuen Lebens in Blütenfülle, Farbenpracht und Duftwolken genießen, uns durch die grenzenlose Vitalität der Mutter Erde erneuern lassen an Leib und Seele. Davon kann uns auch die Kontaktsperre nicht abhalten – auch dann nicht, wenn wir auf freudige Gemeinschaft beim Feiern und in den Mai hineintanzen versammlungsverbotsbedingt verzichten. Alle Ebenen und Formen, in denen wir jetzt das neue Leben erfahren, auskosten, in seine Vitalität hinein tauchen, sind große Kraftquellen für Lebensenergie und unser Immunsystem. Und das starke Immunsystem ist die Basis für Gesundheit in Coronazeiten, wirkungsvoller als Kontaktsperre, Versammlungsverbot und Maskenpflicht zusammen.

Ein Beltane-Ritual in Coronazeiten könnte so aussehen:

Genüsslich verspeisen wir die roten köstlichen Beeren, trinken roten Saft und Wein und visualisieren, wie die Rotkraft unsere Vitalität anfeuert …

Wir springen über das Feuer, damit die Funken und Flammen unsere Aura streicheln und unwiderstehlich stark machen. So verdichtet sich um uns herum unsere feinstoffliche Hülle wie ein magischer Zaubermantel, der Schaden von uns abhält.

Mit der Grünkraft des jungen Laubes aus den frischen Blättern der Bäume erschaffen wir uns eine grüne Krone. Mit dieser krönen wir uns in unserer Eigenmacht. Wir krönen uns in dem Bewusstsein, dass wir keine Angst haben vor Viren, keine Angst vor Regierungen und ihren Vorschriften, die uns von der Quelle allen Lebens fernhalten wollen: unserem Verbundensein mit allem Leben auf dieser Welt.

Mit unserer grünen Krone sind wir souveräne Wesen. Die römische Göttin Maia trägt den Beinamen Maiesta, die Gekrönte. Wir sind die neuen Maiestas, die der Welt der Angst absichtsvoll eine andere Ordnung der Liebe gegenüberstellen. An den alten Heiligen Tagen der Jahreskreisfeste leuchtet diese alt-neue Ordnung schon in die Welt hinein.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT APRIL 2020

Demeter und Persephone

Seit etwa dem Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, stehen wir infolge der Coronapandemie unter Quarantäne. Der Begriff Quarantäne ist eine Ableitung des italienischen Wortes „Quaresima“, hat seine kulturellen Wurzeln in der Mythologie. 40 Tage lang suchte Demeter verzweifelt nach ihrer entführten Tochter Persephone. Hades, der Herr der Unterwelt und der Schatten, hat sie geraubt. Und in diesen 40 Tagen stand alles Leben still. Alles. Demeter selbst hatte es verfügt, Quaresima oder Quarantäne.

Und heute geschieht etwas Unglaubliches: Wir finden uns plötzlich durch die Pandemie und die angeordnete Quarantäne, die wir als das Wandlungsritual von Demeter deuten können, hineingestellt in den Raum der uralten Erdgöttin Demeter. Während im Demeter-Mythos durch Demeters Trauer die Natur selbst angehalten ist und alles Leben still steht, sind in unserer kollektiven Quarantänezeit vor allem wir Menschen mit unserem wirtschaftlichen Tun, sei es der Industrieproduktion mit all ihren zerstörerischen Begleiterscheinung, seien es die globalen Waren- und Geldkreisläufe angehalten und stillgestellt. Nichts geht mehr.

Durch den unerwarteten Raub der Persephone hat Hades unsere naive Sicherheit geraubt, dass alles immer so weitergeht. Er hat auch die selbstverständliche Gewissheit geraubt, dass wir die Bedingungen unserer Gesundheit im Griff haben (unabhängig davon, wie sehr die Menschheit die Gesundheit und die Lebensräume der Mutter Erde ruiniert) Und vor allem hat er vielen Menschen die Unbekümmertheit oder auch den Größenwahn geraubt, wir Menschen seien die Herren der Welt und des Schicksals.

Demeter sucht 40 Tag lang rastlos und unermüdlich. Demeters Quarantäne ist Selbstbesinnung und Wandlung. Demeter spürt nicht nur ihre Trauer um den Verlust von Persephone, sondern auch den absoluten Wert, den Persephone verkörpert. Den will und muss sie der Welt wieder zurück geben.

Wenn wir unsere derzeitige Quarantäne mit ihrem mythischen Ursprung verbinden, Demeters Suche, finden wir in Persephone Mütterlichkeit in ihrer vitalsten, verjüngten Erscheinungsform, als Sorge, als Hüten und Bewahren und Nähren allen Lebens. Um dies geht es. Der aktuelle Begriff dafür ist Solidarität. Viele beginnen das neu zu verstehen. Wir, die verbunden sind mit der Weisheit der Natur und in Gaia, dem lebendigen Leben wurzeln, wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, den Schatz unseres Wissens umzusetzen, weiterzugeben. Es ist das Leben selbst, das auf dem Spiel steht, und dessen absoluter Vorrang wieder in das Zentrum allen Bemühens gestellt sein will. Corona ist auch der Strahlenkranz der Sonne und der Mondin, Corona ist unser Kronenchakra, und es ist offen nach oben.

Auf der Suche nach Persephone erinnern wir daran, dass Mitgefühl und Fürsorge die Basis allen Lebens ist und unseres sozialen Miteinanders. Es ist die Grundlage einer menschlichen Gesellschaft. Das gilt es zu heilen und neu in den Mittelpunkt zu stellen. Wir hüten das Leben um uns herum und die Lebendigkeit in uns, und bringen so den Strahlenkranz unserer Kronenchakras und unser erweitertes Menschsein zum Leuchten. Als Vorbilder für ein anderes, ein neues Menschsein.

Avesta

CORONA – MEDITATION

Das Land ist stillgelegt. Unser Alltag ändert sich dauerhaft. Unsere Grundrechte der Versammlungsfreiheit und der freien Religionsausübung sind aufgehoben. Umso wichtiger ist es, dass wir – in welcher Form auch immer – zusammenstehen und uns gemeinsam oder allein durch Meditation, Anrufung, Stille oder Gebet mit den Großen Kräften verbinden. Wir können dabei Räucherwerk als Botin unserer Anliegen an die Anderswelt verbrennen, durch Trommel oder Rassel mit den Kräften in Verbindung treten oder Kerzen oder ein Heiliges Feuer entzünden. Wir können diese Zeremonie als Ritual ausgestalten, das wir gemeinsam im Coven / mit Gleichgesinnten oder auch alleine begehen können.

Das Grundgerüst der Zeremonie ist das Rad mit den vier Richtungen und der Mitte. Wir gehen durch die vier Richtungen und enden in der Mitte.

Platz des Ostens:

Wir erinnern uns an die kosmische Grundregel „Wie oben so unten – Wie innen so außen – Wie im Kleinen so im Großen“. Wir erinnern uns daran: Jede noch so kleine Handlung beeinflusst das morphogenetische Feld – indem es diesem eine „Farbe“, eine Energie, eine Stimmung zufügt – und damit auch die Großen Ereignisse.

Wir erfinden im Osten eine symbolische Handlung, die in das morphogenetische Feld der Coronakrise unsere persönliche Antwort: einen Segen, einen Zauber, eine Bitte, eine Hoffnung, eine Vision …einfach etwas aus unserer persönlichen Kraft hineinwebt.

Platz des Südens:

Wir erinnern uns daran, dass wir zwar nicht das „ob oder ob nicht“ der großen Ereignisse und Katastrophen beeinflussen können, aber dass wir immer unsere Reaktion auf Ereignisse beeinflussen können. Wir haben die Wahl, wie wir auf die Geschehnisse antworten.

Auch in der Coronakrise lebt in uns eine Innenwelt mit Phantasie, Wissen, Weisheit, Erfahrung, heilenden Bildern, Heilungsgeschichten, Utopien, Visionen. Dieser reiche innere Schatz ist auch dann da, wenn die Medien uns zudecken und untergehen lassen in immer neuen Informationsfluten.

Wir suchen, finden und spüren diese Quelle kreativer Energie in uns. Wir wenden uns dieser kreativen Innenwelt zu und lassen ihren Reichtum zu uns sprechen. Wir wählen bewusst Antworten/Reaktionen auf die Coronakrise aus unserer kreativen Innenwelt heraus, und bewusst nicht aus unseren Angst-Sorge-Stress-Panikmustern heraus.

Platz des Westens:

Wir erinnern uns an unser Verbundensein mit unseren Geschwistern aus den vielen Reichen der Wirklichkeit. Wir sind nicht allein.

Wir vergegenwärtigen uns, dass wir in einer bewussten Beziehung stehen zu unserer liebenden, kraftvollen erweiterten Familie von Menschen, Tieren, Pflanzen, und den Wesen der nicht sichtbaren Wirklichkeit. Wir erinnern uns daran, dass hinter uns die Ahnen stehen, die im Mittelalter reiche Erfahrungen gemacht haben mit Seuchen und kollektiven Krankheitskrisen, an die wir uns wenden können.

Unsere erweiterte Familie der Menschheit, der Ahnen, der Tiere und Pflanzen: sie alle hoffen, ersehnen genau dasselbe wie wir.

Sie warten auf unsere Zeichen und sind bereit, uns zu unterstützen.

Platz des Nordens:

Wir erinnern uns an die Große Perspektive: Wir sollen als Menschheit hinein wachsen in eine neue Planetare Zivilisation des Respekts vor allem Leben, der Achtsamkeit und des Verbunden seins, der Liebe und der Solidarität. Die Überwindung von ego-gebundenem Denken, Fühlen und Handeln geschieht im Augenblick unter extremen und schwer erträglichen Geburtsschmerzen. Diese Entwicklung der großen Planetaren Zivilisation erfordert die Liebe, die Kraft und das tiefe Engagement mehrerer Generationen.

Platz der Mitte:

Ich erde mich. Ich gebe in meinem alltäglichen Leben der Hoffnung, der Liebe und der friedvollen Achtsamkeit einen zentralen Platz. Das sind die Werte, in denen ich mich zentriere. Ich übe mich darin, Liebe, Hoffnung und Frieden zu sein.

Und nun wünsche ich euch, dass euch die spirituelle Zeremonie mit diesem Meditations-Rad ermutigt.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT MÄRZ – NERTHUS

Der Monat März ist nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt. Längst vergessen ist die alte Zeit vor der römischen Epoche, in der dieser Monat März Hrethmonat hieß, und der Erdmutter Nerthus (Hertha = Nerthus) geweiht war, und eben nicht dem Kriegsgott.

Nerthus kommt uns als unsere Erdmutter im Frühling sichtbar, spürbar und mit allen Sinnen wahrnehmbar entgegen, sie erscheint wirklich! Sie schenkt in dieser freudevollen Zeit der Welt und ihren Menschenkindern Erneuerung auf allen Ebenen.

Von Nerthus heißt es: „… Es gibt auf der Insel des Meeres einen heiligen Hain mit einem geweihten Wagen. Im Frühjahr trifft die Göttin im Allerheiligsten ein und fährt mit ihrem Heiligen Wagen von Kühen gezogen dahin in die Orte der Menschen. Es folgen frohe Tage: festlich geschmückt sind alle Orte.
So nimmt sie Teil am Leben der Menschen. … verschlossen ist alles Eisen, niemand ist bewaffnet und es herrschen Glück allerorten und Frieden.“

Es klingt wie eine Geschichte aus dem verlorenen Paradies. Wir wissen aber, dass das Paradies kein mythischer Ort in der Vergangenheit war, sondern es war einst eine historische Wirklichkeit: als die Menschen noch in der Mütterlichen Ordnung lebten. Wir können den März in unserer Gegenwart wieder als den Friedensmonat im Kleinen erwecken: Wir können davon erzählen, dass wir Mars durch Nerthus befrieden können. Wir tun es Nerthus gleich und lassen an unserem Ort, aus unseren Sozialräumen matriarchale Plätze entstehen. Dort ist das Eisen der Konkurrenz verbannt, ihr Schmuck ist Vielfalt und Gerechtigkeit, und ihre Ethik ist die der Solidarität und der Schönheit.

Avesta

DIE LIEBESGÖTTIN SJÖFN, DER VALENTINSTAG UND DIE LUPERCALIEN

Am Beginn steht die Liebe

Wenn es heller wird, die Tage ein wenig länger und die Sonnenstrahlen lebendiger wirken, dann spüren wir, wie allmählich eine neue Vitalität zurückkehrt, das Herz warm wird und höher schlägt – und eine leise Sehnsucht in uns erwacht … Mitte Februar, genau am 14., ist der Tag der nordischen Göttin Sjöfn. In der Edda heißt es über sie, dass sie “ … die Gemüter der Menschen, der Männer wie der Frauen, zur Zärtlichkeit zu wenden versucht“. Der ihr zugehörige Stein ist ein Herz aus Rosenquarz.

Sjöfn ist neben Freya eine Göttin der Liebe und Zärtlichkeit. Sie schenkt Friedfertigkeit und Wohlwollen und hilft uns, wenn wir Spannungen auflösen und Frieden stiften wollen, sowohl in der Partnerschaft als auch in der Gemeinschaft. Mit Sjöfn weitet sich unser Herz, wir werden großzügig und liebevoll. Außerdem wird der Begriff „Sjöfn“ in der Edda als lyrische Umschreibung für „Frau“ verwendet, und weist darauf hin, wie sehr das weibliche Prinzip in Frauen und in Männern Versöhnung und Ausgleich sucht. Sjöfns Zärtlichkeit schließt verspieltes Schmücken und das liebevoll dekorierte gemeinsame Essen als Ausdruck von Wohlwollen und Zuneigung mit ein.

Der Valentinstag am 14. Februar könnte eine späte Form von Sjöfns Tag sein, vielfach verwandelt, umbenannt, doch in der Bedeutung gleich. Es macht mich heiter, wenn hinter einem Feiertag, der wenig mehr Funktion hat als die Umsatzsteigerung des Blumenhandels eine lebendige alte Wurzel sichtbar wird … Der Valentinstag wiederum steht in enger Beziehung zu dem römischen Fruchtbarkeitsfest der Lupercalien am 15. Februar, bei dem es darüber hinaus auch um Liebe, Friedfertigkeit und gutes Auskommen ging.

Lasst euch dazu inspirieren, den 14. Februar als ein Fest der Liebesgöttin Sjöfn zu feiern: Legt alten Streit und stressbringendes Missverstehen einfach mal probehalber zur Seite, schmückt euch, verschenkt zärtliche Gesten und andere Zeichen der Sympathie und des Wohlwollens, genießt mit eurer/eurem Liebsten ein vorfühlingshaft verspielt-zärtliches Mahl mit Frühlingsblüten verschönt, seid freudig, lebendig und lebensfroh!

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT DEZEMBER – PERCHTA

Nun sind wir wieder angekommen in der Zeit, in der es kaum mehr richtig hell wird. Grau ist die Farbe, die dominiert, und der Nebel verwischt an vielen Tagen die Konturen des Lebens. Winde wirbeln das letze Laub auf. In die Regentropfen mischen sich Schneeflocken.

Jetzt ist die Zeit der Frau Percht, die im Winter zurückkehrt, um mit uns einen ganz besonderen Übergang zu tanzen: den Tanz des Abschieds. Die Natur kehrt in die Erde zurück, dorthin, wo sie herkommt, und wir Menschen suchen die Geborgenheit des Hauses.

Perchta ist eine Führerin durch die großen Übergänge, von der Anderswelt zurück ins Leben und vom Leben in den Tod oder in die Anderswelt; eine Führerin von der sichtbaren Welt in die unsichtbaren und unbekannten Welten, von dem materiellen Reich der Fakten in das psychische Reich der Bilder, Schatten und Geister. Dies ist die Landschaft, die in der europäischen Tradition die Anderswelt genannt wird. Die Anderswelt ist nicht eine Welt nach dem irdischen, sichtbaren Leben, sondern sie existiert gleichzeitig und synchron zu ihm. Manchmal können wir Menschen zu bestimmten Zeiten – und besonders in dieser dunklen Zeit – dorthin und wieder zurück reisen. Was wir mitbringen von diesen Reisen in das unbekannte Land der Seele kann eine Vision sein von einem neuen, anderen, besseren Leben. Einem Leben in einer Welt, in der endlich Gerechtigkeit herrscht und Frieden. Einer Welt, in dem die Natur, das Land und unsere Tiergeschwister nicht mehr von Menschen ausgebeutet werden, sondern wir uns pflegend und sorgend für die natürliche Welt einsetzen.

Ein großes und verlässliches Geschenk von Frau Percht ist, dass sie immer auf der Seite derer steht, die sich für das Leben einsetzen. In ihrem Namen wurde noch im vorletzten Jahrhundert das Perchtengericht abgehalten, vor dem die Ausbeuter, Unterdrücker, die Menschenschinder und Vergewaltiger zur Rechenschaft gezogen wurden.

In der Stille dieser Zeit erinnern wir uns an das zu Ende gehende Jahr, an seine Kreativität, seine Sinnenfreude, seine Lernchancen, seine Schmerzen und seine Verluste. Wir entzünden eine Kerze gegen das im Graulicht verdämmernde abnehmende Jahr und setzen damit bewusst ein Zeichen der Geborgenheit und Zuversicht.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT SEPTEMBER – CERES

Goldene Schale mit ÄpfelnAm 21. September zur Herbst Tagundnachtgleiche tritt die Sonne in das Zeichen der Waage. Die Natur hat Gleichgewicht geschaffen zwischen den Kräften des Lichtes und der Dunkelheit, und wir danken für das, was wir von Mutter Erde bekommen haben.

Wir feiern Ceres, die Göttin des reifenden Korns – sie ist die römische Inkarnation der Demeter. Ceres trägt eine Weizenkrone auf ihrem Haupt, oft führt sie auch die Sichel mit sich und die Fackel. Für die Römerinnen war Ceres darüber hinaus die Hüterin der Frauenrechte. Bei einer Ehescheidung musste ein römischer Mann Teile seines Vermögens Ceres überlassen. Wie Demeter ist Ceres genauso in der Ober- wie in der Unterwelt zuhause; dies bedeutet symbolisch: sie schenkt uns unsere Erfüllung genauso wie unseren Mangel. Ganz besonders nahe steht die Göttin den Leuten, die auf dem Land leben und eine enge Beziehung zum Land, seinen Früchten und dem täglichen Brot haben: die Landfrauen, Gärtnerinnen und Bäckerinnen. Sie ist uns immer dann besonders nahe, wenn wir Mahlzeiten zubereiten. Menschen haben Ceres ganz wörtlich jeden Morgen im Mund, wenn sie „Cerealien“, Getreideprodukte frühstücken: Müsli, Cornflakes und Getreideflocken werden so bezeichnet und haben ihren Namen von der römischen Getreidegöttin. Ohne dass wir es ahnen ist Ceres und ihre Gaben so oft Teil unseres Alltages.

Die Festlichkeiten der Ceres wurden mit Brot und Kuchen, Milch, Honig und Wein begangen, und auch das Bier, das in den südeuropäischen Ländern ihren Namen trägt, (cervisia, cerveza) gehört zu Ceres.

Wir genießen im Frühherbst die zahlreichen Erntedankfeste und die dazugehörenden Märkte. Unseren Hausaltar schmücken wir mit buntem Laub und Obst, leckeren Früchten und den leuchtenden Herbstblumen. Dankbar feiern wir unsere Ernte in den unterschiedlichen Bereichen unseres Lebens: wir anerkennen was uns gelungen ist, was wir geschenkt bekommen haben, wo unsere Bemühungen Früchte getragen haben, was wir erschaffen haben. Wir werden uns bewusst was uns nährt und vergegenwärtigen uns, was wir brauchen. Und wir erkennen, wo wir gebraucht sind, und wo wir aus unserer Fülle geben und weitergeben können, und setzen das – wo es uns möglich ist – um.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT AUGUST – Die Sonne

Wir feiern Licht, Leben, Wärme und das kosmische Feuer

August ist die hohe Zeit des Lichtes und der Sonne. Die menschengemachte Erderhitzung hat die feine Dynamik dieses Monats so verändert, dass wir genau so deutlich die bedrohliche Dimension der intensiven Wärme und des Sommers erleben wie ihren Segen. So steht für Weise Frauen gerade im Zeichen der Sonne unser Einsatz für eine Null-Emissions-Strategie auf der Tagesordnung. Interessant in diesem Zusammenhang: schon in ältester Zeit gab es einen mythischen Schutzschild „Svalinn“ der vor der zerstörerischen Glut der Sonne schützt ….

Die Sonne ist die große Mutter des Lebens, denn mit ihrem Licht und ihren Strahlen schenkt sie Lebenskraft und lockt die Energie, die allen Wesen innewohnt, hervor. Sie ist Schöpferin und Erzeugerin der Lebenskraft. Auch auf der seelischen Ebene schenkt sie Kraft und vertreibt Traurigkeit und Schwermut. Der spirituelle Charakter der Göttin ist Freude, Freundlichkeit, Gnade, Herzensgüte und Lieblichkeit. Die Fröhlichkeit der Göttin Sonne drückt sich in der Mythologie dadurch aus, dass sie an den Hoch-Zeiten im Jahreskreis Freudensprünge und Tänze vollführt und vor Freude glänzt.

Die Sonne ist in unserem Kulturkreis der kosmische Ausdruck des mütterlichen Prinzips. Traditionell unterscheiden wir den Himmelskörper der Sonne „Sol“ von der spirituellen Energie und Macht der Sonne, „Sunna“. Sie wird auch Allglanz, Schönrad und Heilschein genannt. Im englischen Silbury in der Nähe von Avebury haben unsere jungsteinzeitlichen Vorfahren ein Sonnenheiligtum erschaffen, das gleichzeitig der schwangere Leib der Großen Göttin ist – eine heilige Stätte, die die Sonne mit dem Prinzip der Schöpfung verbindet. Im süddeutschen Raum wurde die Sonnengöttin in den ersten Jahrhunderten nach dem Beginn unserer Zeitrechnung christianisiert und unter dem Namen Borbet als eine der drei Bethen hoch verehrt. Viele Kreistänze sind symbolische Inszenierungen der Sonnenkraft und ihrer Strahlen.

Wenn uns depressive Stimmungen plagen oder wenn wir uns energetisch ausgelaugt fühlen, können wir durch unmittelbaren Kontakt mit der Sonnengöttin unser Gemüt wieder erhellen: Wir lassen uns draußen unter freiem Himmel von der Sonne streicheln und ihre wonnevollen Eigenschaften auf uns wirken und nehmen diese ganz bewusst als Energie in uns auf. Wenn wir Helligkeit, Energie, Erneuerung und klare Bewusstheit in unser Leben einladen möchten, nehmen wir reines Quellwasser, stellen es für eine Zeitlang in direktes Sonnenlicht, damit die Sonnenstrahlen das Wasser aktivieren und aufladen, und trinken dieses geladene Wasser Schluck für Schluck und spüren dabei, wie sich Erneuerung in uns ausbreitet.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT JULI

VESTA – Das heilige weibliche Feuer

In der europäischen Tradition gilt Vesta als die älteste aller Göttinnen. Die Entwicklung menschlicher Kultur begann als Menschen lernten, mit dem Feuer umzugehen. Dunkelheit konnte mit Feuer erhellt werden, Kälte konnte erwärmt werden und das Feuer war wichtigste Helferin der Menschen bei allem täglichen Tun, und Mittelpunkt menschlicher Gemeinschaft. Feuer ist die Urmutter aller Künste: des Kochens, Backens, des Härtens, Haltbarmachens, des Töpferns und des Schmiedens.

Quer durch ganz Europa waren die Hüterinnen des Feuers Priesterinnen oder besondere Frauen, denn das Feuer im Kessel, Herd und Altar war ein symbolischer Ausdruck des heiligen weiblichen Prinzips der Wandlung und ein umfassendes Symbol für weibliche Vitalität.

Vestas Geschenk ist im übertragenen Sinn das Feuer unserer Vitalität. Sie ist die Göttin unserer Begeisterung und Leidenschaft für das Leben. Aber wie jedes Feuer erfordert auch das Feuer unserer Vitalität eine weise Handhabung: Zu viel davon lässt uns ausbrennen, und dieses Leiden ist so verbreitet, dass es einen Namen trägt: Burnout. Die vestalischen Feuer brannten nach einem wichtigen Grundprinzip der alten Weisheit, das heißt: Nichts darf verletzt werden! Darum wurden für das Feuerholz für Vestas Altar nur die am Boden liegenden Äste im heiligen Hain aufgesammelt, die lebendigen Bäume blieben unangetastet. Vestas Regel lautet: die natürlichen Ressourcen bestimmen das Maß; die Lebenssubstanz selbst darf niemals verheizt werden. Und das Feuer unseres Engagements darf uns nicht ausbrennen!

So sind wir eingeladen, unser persönliches Lebensfeuer weise zu hüten, und auf gesellschaftlicher Ebene für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Energie einzutreten – ohne Kohleabbau, ohne Atomkraft – also uns für eine echte Energiewende einzusetzen.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT JUNI – MELISSA

Endlich ist Frühsommer, die Tage sind lang und freundlich, und wir verbringen viel Zeit draußen. Da begegnet uns Melissa, die Bienengöttin, die zusammen mit ihrem Volk für die Menschen früher das Spiegelbild einer harmonischen Gemeinschaft der Frauen war. Einer sanften, zärtlichen Gemeinschaft, die von der Königin durch die Signale ihres Duftes geführt wird und deren Informationssystem der Tanz ist. Melissa ist die Mutter eines Volkes, in dem jede ihren Platz und ihre altersentsprechende Aufgabe hat: da gibt es die Gruppe der Ammen, die der Kundschafterinnen, der Kriegerinnen, und es gibt die Gruppe, die für die Hygiene im Bienenstock sorgt und viele andere mehr. Seit alters her steht der Bienenstock mit seiner Königin für die vitale und perfekt aufeinander eingespielte Gemeinschaft. Und in vielen mutterrechtlich orientierten archaischen Gemeinschaften wird die Bienenkönigin als eine Göttin verehrt. Die Anthropologin Marija Gimbutas fand bei ihren Untersuchungen der 7000 Jahre alten Cucuteni-Kultur sanduhrförmige Frauengestalten, verziert mit bienenartigen Streifen, die sie als Bienen erkannte. Eine ganz wichtige Rolle spielte die Biene auch in Kunst und Alltag der kretischen Minoerinnen. Sie stellten wunderschöne Schmuckstücke mit Bienendarstellungen her und prägten Bienen auf ihre Münzen und Siegel. Eines davon zeigt eine Bienengöttin: Eine Frau mit einem Bienenkopf ist von zwei geflügelten Hunden umgeben. Ein anderes zeigt tanzende Frauen, vielleicht Priesterinnen, die von Bienen umschwärmt werden. Die Nymphen als übernatürliche Zauberwesen, die dann eingriffen, wenn Hilfe gebraucht wurde, treten oft in Bienengestalt auf. Die Nymphe Melissa nährte Kinder, wenn sie von der Mutter getrennt waren, mit Honig.

So ist die Göttin Melissa nicht nur die Mutter einer beispielgebenden Form weiblicher Gemeinschaft, sondern sie schenkt mit dem lebensspendenden Honig den Menschen eine göttlich-geheimnisvolle Substanz.

Wir heutigen Frauen feiern mit der Göttin Melissa die Hoch-Zeit des Jahres und ehren mit ihr die weiblichen Gemeinschaften. Wir wenden uns an Melissa, wenn wir das Geheimnis der mütterlichen Ordnung verstehen wollen und ergründen, wie eine an weiblichen Prinzipien orientierte Gemeinschaft funktioniert. Und wenn wir uns – erschöpft vom Lebenskampf im Patriarchat – durch die süße Magie des Honigs wieder mit der Quelle des Lebens verbinden wollen.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT MAI – FREYA

Holunderblüte

In dieser heiteren Zeit, in der jeder Schritt in die Natur von farbenfrohen Blüten, von Düften und vom smaragdenen Hellgrün der neuen Blätter begleitet ist, gehen wir mit Freya durch die Welt. Sie ist die Liebesgöttin der mittel- und nordeuropäischen Menschen, und sie ist der Inbegriff der freien und unabhängigen Frau, die zugleich zärtlich liebt und kämpferisch kraftvoll für sich und die Liebe einsteht.
Freya schenkte ihre Liebe, Freundlichkeit und sexuelle Gunst frei-zügig. Sie ist die europäische Urschamanin, mit einer intimen Beziehung zu allem, was wild ist und ungezähmt: Tiere, Elementarwesen, die nicht-sichtbaren Räume. Das Wort Frau ist von der Göttin Freya abgeleitet. Mit Freya strahlt ein Bild von Weiblichkeit durch die Jahrtausende, in dem die Frau zaubermächtig ist und kulturprägend, klug und unabhängig, und durch ihre Macht von innen, ihr diplomatisches Können und ihre Schönheit Gemeinschaften verbindend.
Auf der persönlichen Eben heilt Freya die Wunden des Zweifels, löst die Verwirrung, die innere und äußere Konflikte schaffen können, und sie erneuert unsere Fähigkeit, unsere persönliche Kraft mit der sinnlichen Energie der Jahreszeit aufzuladen.
Mit Freya verbinden wir uns, wenn wir frei werden wollen von inneren und äußeren Zwängen, die unser Innerstes und seine Bedürfnisse behindern. Sie unterstützt uns, wenn wir scheu sind und uns nicht trauen uns auszudrücken, uns zu zeigen. Und sie kann uns mit ihren kämpferischen Möglichkeiten schützen.
Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT APRIL

Amazone

„Das Zentrum amazonischer Macht ist nicht das was Frauen schufen, sondern ihr Körper, ihre eigene Ausstrahlung.“ (Luisa Francia)

Die in der Erde angesammelte neue Kraft steigt im April unaufhaltsam nach oben, wird spürbar, sichtbar und wirkt. Alles, was ist, will jetzt kraftvoll in Erscheinung treten. Überall ist neue Lebendigkeit, und beglückt staunen wir über das Wunder des neuen Lebens. Auch in unserem Inneren spüren wir frische Vitalität und neue Möglichkeiten. Diese Energie drängt uns geradezu, das zu erschaffen und zu formen, was in unserem Leben oder auch in uns selbst neu werden soll. Dies ist das immerwährende Potential des Frühjahrs und der Jungen Göttin, der Amazone in uns, die auch dann im Frühjahr in uns lebendig wird, wenn wir uns mit unseren Lebensjahren längst jenseits der Mitte weiterbewegen.

In dieser Zeit sind wir als weise Frauen damit unterwegs, unser Bewusstsein und unseren Zugang zu innerer Kraft und Stärke, zu unserer tiefen Lebendigkeit neu zu erwecken. Wir wollen mit der ungezügelten Vitalität des Frühlings und unterstützt durch die Kraft des Widders, Qualitäten, Aktivitäten und Verbindungen, die uns wichtig sind, hervorlocken und kräftigen. Fähigkeiten, mit denen wir uns identifizieren, wollen in uns wachsen. Eine wunderbare Möglichkeit ist, diesen Qualitäten den Namen einer Göttin zu geben, mit der wir uns verbinden können. Um unsere Unabhängigkeit zu stärken, verbinden wir uns z.B. mit Freya, um unseren Mut zu kräftigen mit der Amazone Pentesilea, um unsere Hellsicht und Klarsicht zu öffnen, mit Pythia oder um unsere Liebesfähigkeit und Lust zu nähren mit Aphrodite. Wir rufen diese Göttin und verbinden uns mit ihr und lassen uns durch sie mit der ersehnten Kraft oder Fähigkeit aufladen.

Auch die unwiderstehliche Grünkraft der Mutter Natur will sich uns jetzt schenken. Mutter Natur möchte besonders im Frühjahr ihre Töchter auf der körperlichen Ebene stärken und wieder mit Lebendigkeit erfüllen. Dazu lässt sie allüberall ihre Kraft-, Heil- und Zauberkräuter für uns sprießen. Täglich können wir uns aus dem Grün der Brennnessel, des Wegerich, Giersch, Löwenzahn (oder was sonst gut für uns ist) auf der Basis von beispielweise Apfelsaft einen grünen Smoothie bereiten. Sein Reichtum an Chlorophyll, mit dem die Pflanzen das Sonnenlicht aufnehmen und speichern können, ist eine Quelle neuer Lebenskraft für uns. Denn unser grüner Smoothie schenkt uns genau diese Fähigkeit der Pflanzen, unsere Körperzellen mit Hilfe der magischen Grünkraft Chlorophyll mit Energie und Sonnenlicht zu nähren.

Dann kann nach der dunklen Winterzeit in unsere Herzen, in Haut und Augen das Leuchten strahlender Lebendigkeit und Lebensfreude zurückkehren.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT MÄRZStamm eines Baumes, der aussieht, als wüchsen da Brüste heraus - eine Baumgöttin

Aus dem Mittelmeerraum kommt die junge Jägerin Diana, Mentorin der wilden, freien und weisen Frauen. Auch in Süddeutschland wurden an zahlreichen Orten Diana-Reliefs gefunden. Ihre Anhängerinnen nahmen sich immer wieder aus dem sozialen Leben heraus und verschwanden zusammen mit Freundinnen in die Freiheit, in die Wälder. Noch bis in die Neuzeit gab es Gruppen von Frauen, die der „guten Herrin Diana“ folgten, und auf ihren Spuren nachts unterwegs waren.
Diana setzt sich leidenschaftlich für die wilden Waldfrauen ein, für die kämpferischen Mädchen, die Jägerinnen und Jäger, die sich in den Wäldern auskennen und ihren Wegen folgen. Ihr Beiname ist „die Herrin der wilden Dinge“: Sie hütet, schützt und nährt alles was wild ist und frei, ganz besonders aber die Tiere des Waldes. Dianas silberner Bogen ist die Sichel des Mondes. Von Diana wird erzählt, dass sie drei Namen hat und drei Aufgaben: im Himmel ist sie Luna und erleuchtet die Nacht mit ihren Silberstrahlen, auf Erden heißt sie Diana und hütet alles Wilde, aber in der Unterwelt ist sie Hekate und hält dort Geister und körperlose Wesen unter ihrer Kontrolle.

Wenn Diana eine Frau berührt, so heißt es in den alten Quellen, muss sie ihr folgen. Dianas Geschenk ist ein Füllhorn an Freiheit, Ungezwungenheit und Freundlichkeit, und der Zauber der wilden Welt.

Auch heute können wir uns an Diana wenden, wenn wir unsere Integrität stärken wollen, das Wilde und Ungezähmte in uns entwickeln wollen. Vor allem brauchen wir Diana, wenn wir durch traumatische Erfahrungen in unseren Instinkten verletzt worden sind und wir wieder lernen wollen, spontan, kraftvoll und aus der Tiefe heraus zu reagieren. Wir können sie leicht in der Zeit zwischen der Frühjahrstagundnachtgleiche und dem darauf folgenden Vollmond in den Wäldern finden: Wir folgen einfach der Farbe Grün, und verlassen dabei – aufmerksam und achtsam für alles Lebendige – die Wege, um das Herz des Waldes zu finden. Unterwegs auf diesem Weg pflücken wir hier und da ein junges grünes Blatt und knabbern es, denn seine Grünkraft wird unsere Wildheit und Ursprünglichkeit stärken. Im Herzen des Waldes wartet Diana auf uns und hüllt uns in ihren grünen Mantel ein.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT FEBRUAR

Noch ist es tiefer Winter. Aber schon werden die Tage ein wenig länger, und unter der Kälte spüren wir wie sich erstes Leben regt. Es ist die Zeit von Bridgid, und wir feiern Lichtmess, ihr altes Fest. Brig ist ein keltisches Wort und heißt „weibliche Tapferkeit und Vollmacht“. Bridgid war und ist die Göttin des Lichts, des Feuers, der Inspiration und der Heilung und sie ist die bedeutendste keltische Göttin überhaupt. Nicht nur im christlichen Festkalender ist sie durch ihr Lichtmess fest verankert, auch in der Landschaft hat sie ihre Spuren hinterlassen: zum Beispiel sind die Stadt Bregenz und der Fluss Brigach nach ihr benannt.

Bridgid ist für uns die Behüterin von und die Führerin durch dynamische, risikoreiche Prozesse der Wandlung. Es sind die Übergänge von einem Zustand in einen völlig anderen, es sind kritische Phasen lebendiger Dynamik, in denen das Risiko der Verletzlichkeit, des aus den Fugen Geratens hoch ist, bei denen Bridgid uns Menschen führt und schützt. Oder auch den Funken der Inspiration in uns entfacht und so neue Ideen schenkt.

Verbunden mit ihrer Energie können wir uns in eine höhere Schwingungsebene hinein entwickeln, so wie sie durch ihr Heiliges Feuer das Holz zu Licht und Wärme wandelt. Sie schützt, führt und hilft bei den notwendigen, aber gefahrvollen Transformationsprozessen auf der persönlichen genauso wie auf der kollektiven Ebene. Sie ist das göttliche Prinzip, das wir in unserer Zeit des Chaos und der Transformation ganz besonders brauchen.

Wenn wir in einem Wandlungsprozess stehen und die Stärkung durch Bridgid suchen, hilft folgendes Ritual:

Wir begeben uns mit einer Walnussschale, in die wir ein kleines Kerzchen eingeklebt haben, an ein Gewässer. Oder wir bereiten zuhause eine Schüssel mit Wasser vor. Darauf setzen wir unser Lichtschiffchen, und indem wir unsere Kerze anzünden, bitten wir Brigid um ihren Schutz für unsere Wandlungsprozesse. Nun findet das kleine Licht seinen Weg über das Wasser, begleitet mit Summen oder Singen. Dabei genügt es schon, wenn unser Lichtschiffchen ein Moment lang auf dem Wasser steht, denn schon in diesem einen Moment hat unser Symbol die Kraft und den Segen von Bridgid für uns aktiviert.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT DEZEMBER

An nicht wenigen Tagen wird es kaum mehr richtig hell. Das Lied der Vögel ist endgültig verstummt. Die Farben verblassen und gehen in Grautönen auf. Schatten tauchen auf – Nebel verwischen die Konturen wieder. Winde wirbeln das letze Laub auf. In die Regentropfen mischen sich Schneeflocken. Das Wilde Heer bewegt die jagenden Stürme, es nimmt alles mit sich, was keinen Platz mehr hat und führt die Seelen der Verstorbenen ihrem Bestimmungsort zu. Der christliche Nikolaus zieht mit seinem vorchristlichen Knecht Ruprecht durch die Nacht … ein zwiespältiges Gespann …

Und selbst in dieser dunkelsten Zeit erscheint für uns Frauen eine besondere Lichtgestalt:

LUZIA

Am 13. Dezember wird das Fest der Hl. Luzia gefeiert. Dieser 13. Dezember war vor der Einführung des gregorianischen Kalenders im Jahr 1582 der Tag der Wintersonnenwende. Luzia ist diesem Ereignis entsprechend die Leuchtende, die Lichtbrin­gende, die Glänzende, und auch in diesen Namen klingt die Wiedergeburt des Lichtes an. Luzia ist eine nahe Verwandte von Frau Percht, der Göttin des Winters. Als Verkörperung des wiederkehrenden Lichtes ist Luzia eine gute, den Menschen holde, Freude bringende Göttin. Luzia wird auch als Lutzel oder Lützelfrau verehrt. An ihrem Tag hatten sich unsere Vormütter besonders mit Liebesorakeln beschäftigt. Wir können sie auch heute mit ihrem traditionellen Gebäck, dem Lissekater, feiern. Wir kleiden uns im Vorgriff auf das wiederkehrende Licht in Weiß und erfreuen uns und unsere Lieben mit den frisch gebackenen Lissekatern. Nach Einbruch der Dunkelheit setzen wir Lichtschiffchen auf den Fluss oder See. Das Licht soll Luzia erfreuen und sie ehren. Die Luziennacht gilt als Wundernacht voll von Geheimnissen: Über den Häusern der ihr zugetanen Frauen zeigt sich um Mitternacht ein wun­dersames, schwebendes Licht, ein wundersames und starkes Kraft- und Segenszeichen.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT NOVEMBERSpirale

November ist im alten keltischen Kalender der Monat der Verwandlung durch den Tod oder die Todeserfahrung. So beginnt der November mit Samhain, dem Fest des Todes. Im christlichen Kalender findet Samhain seinen Niederschlag in den Festtagen Allerheiligen und Allerseeelen, die noch die Erinnerung an unser keltisches Erbe in sich tragen.

HEL

Wir betreten im November endgültig die dunkelste Zeit im Jahreslauf. Das sichtbare Leben hat sich aus der Natur zurückgezogen, und wir schützen uns mit wärmender Kleidung vor Kälte, sind meist drinnen und nur wenn nötig draußen. Das Verschwinden des natürlichen Lebens ist das Thema des Monats: der Tod. Seine Göttin ist Hel, die „Verhehlende, die Verhüllende“. Mit dem Tod setzen wir uns meist nur gezwungenermaßen und im Erschrecken über seine Macht auseinander. Er ist das Unfassbare schlechthin. Und doch ist seine Welt, die Anderswelt ein wichtiger Teil der Wirklichkeit. Sie ist die Welt all der Dinge, die wir verlernt haben zu verstehen, die Welt der Rätsel und der Schätze des Unsichtbaren. In der Anderswelt der Hel wirkt der Kessel der Erneuerung, in dem aus Vergänglichem das Unvergängliche, das Ewige entsteht. Er ist uraltes Symbol des Geheimnisses des Werdens, Vergehens und Neu-Werdens. Von der Natur selbst lernen wir im November die Vergänglichkeit alles Sichtbaren. Nur der nicht-sichtbare Teil von uns Menschen ist der Unvergängliche: unsere Seele.

So können wir im November abends, wenn es dunkel geworden ist, nur eine Kerze anzünden als Zeichen des Lichts unseres Bewusstseins. Mit unserem erweiterten Bewusstsein können wir nach innen lauschen, nach innen schauen, und uns in die Welt der Hel hinein tasten und in die nicht-sichtbare Wirklichkeit. Wir können Verbindung aufnehmen mit den Menschen und Wesen, die nicht mehr in der sichtbaren Welt leben. Wir können die Türe zu Hel und zu der unvergänglichen Welt des Sinnes einen Spalt öffnen, damit sich durch einen Lichtstrahl von dort unsere alltäglichen Sorgen und Nöte aufhellen und wir den Sinn ahnen …

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT OKTOBER

Oktober ist im alten keltischen Kalender der letzte Monat des alten Jahres. Wir ehren das Schwinden des Lichts, der Farben, das schwächer Werden der Lebenskraft, wir stimmen uns auf das Loslassen ein, wir werden älter.

HEKATE

Wir treten mit Hekate an unserer Seite jetzt ein in die dunkle Jahreszeit. Sie ist Göttin der Übergänge wie Geburt, neue Lebensphase, neue Richtungsentscheidungen, Initiation und Älter werden. Oft wird sie mit der Fackel dargestellt, mit der sie uns den Weg ins Ungewisse erhellt. Sie ist eher eine dunkle Gestalt, aber von tiefem Wohlwollen für Menschen, und in ganz besonderer Weise für uns Frauen. Sie ist die Hüterin des magischen Wissens und von ihr lernen wir, dass wir für Lebenskompetenz und die Bewältigung der Herausforderungen nicht Macht brauchen, sondern Weisheit. Auch dies ist in ihrem Symbol der Fackel dargestellt. An ihren Beinamen erkennen wir die Hilfestellungen, die sie uns geben kann: Sie hält das Böse fern, steht an den Wegkreuzungen unsere Schicksals, sie ist die Torhüterin, die Schlüsseltragende, die Führerin, Lichtbringerin, die Heilerin und Erlöserin.

Wenn wir vor einem herausfordernden Übergang stehen, wenn uns die Dunkelheit, die uns umgibt, Angst macht, wenn wir uns bedroht fühlen von Klimawandel und der Rüstungsspirale, dann wenden wir uns – nachdem wir auf der sichtbaren Ebene das uns Mögliche getan haben – an Hekate. Wir stellen ihr eine kleine Gabe an Übergänge wie z.B., Wegkreuzungen oder an die Türschwelle hin, und bitten sie um ihren Schutz und ihre Weisheit.

Am Ende des keltischen Jahres ist es sinnvoll, sich von dem zu trennen, was wir nicht mehr brauchen, unsere inneren Räume zu klären. Hekate kann uns beim Loslassen unterstützen: Welchen Groll, welchen Zorn – auch vielleicht auf mich selbst – brauche ich nicht mehr? Welche Illusion kann ich aufgeben? Ich finde draußen für jedes benannte Thema ein buntes Herbstblatt, entzünde eine (schwarze) Kerze auf dem Hausaltar und verbrenne das Blatt, z.B. mit den Worten: „Liebste Hekate, XXX hat lange genug auf mir gelastet, ich nehme XXX jetzt weg von mir und gebe es an Dich. Nimm es an und verwandle es, und lass mich mit leichtem Herzen meinen Weg weitergehen.“ Ich visualisiere, wie sich mein Groll, meine Illusion im Rauch auflöst, nehme die Asche und streue sie in den Wind oder in fließendes Gewässer. Ich danke Hekate mit Worten, einem Lied, oder einem kleinen Tanz.

Avesta

GÖTTIN FÜR DEN MONAT AUGUST

DEMETER – wir ernten Geschenke, die uns nähren und am Leben erhalten, wir danken für das Geschenk des täglichen Brotes

Im August feiern wir die erste Ernte, wir feiern das Getreide und die Grundlage unserer täglichen Ernährung. Dieses Jahr fällt ein für alle sichtbarer Schatten auf diese hohe und freudige Zeit der ersten Ernte, denn der menschengemachte Klimawandel hat mit seiner sengenden Hitze die Ernte in mancher Monokultur-Landwirtschaft verbrannt. Die Agrokonzerne fordern Subventionen ein und verweigern sich gleichzeitig einer Landwirtschaft, die den Mutterboden und seine kleinsten Bewohner pflegt, den Schatz des Grundwassers hütet und die Bedürfnisse der Tiere achtet. Demeter als die Göttin des Getreides, die Mutter des Lebens und unseres täglichen Brotes braucht mehr denn je unser Engagement für eine nachhaltige und klimaneutrale Lebensweise: das zeigt sie uns in diesen Tagen.

Um Demeter nahe zu sein streifen wir durch die Sommerlandschaft, es können auch Gärten, Parks oder auch nur unser Balkon sein. Wir schauen nach dem Getreide auf den Feldern und schenken ihm ein Danke, wir halten Ausschau nach den Früchten, den Beeren an den Hecken, dem Obst auf den Bäumen, den reifen Tomaten – wir erfreuen uns dankbar und ganz bewusst an dieser unglaubliche Fülle der Mutter Erde, pflücken, kosten, nehmen die Aromen und Säfte in uns auf … Wir können die gewonnenen Eindrücke auf unser Leben übertragen: Was an unseren persönlichen Vorhaben dieses Jahres wächst, reift, gelingt? Wo haben wir gewonnen oder dazugelernt? Wo finden wir Fortschritte? Wo können wir Früchte unserer Bemühungen ernten? Und wir danken uns selbst und allen, die uns mit ihrer Energie, Inspiration und Kraft nähren und zum Gelingen unseres Lebens beitragen.

Am 15. August, dem traditionellen Höhepunkt des Sommers ist Kräuterweihe. Alle unsere Heil- und Kraftpflanzen sind nun in der Fülle ihrer Heil- und Wirkkraft und dürfen geerntet werden. Wir pflücken uns ein Büschel der Heilpflanzen, die uns stärken, weihen es, erfreuen uns daran und erschaffen damit ein Kraftreservoir an Heilpotential für die körperlichen und seelischen Herausforderungen der dunklen Jahreszeit.

Avesta

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