„Von Frieden ist Ceres beglückt; und ihr, Menschen, erbittet ewigen Frieden und einen friedenstiftenden Herrscher.“ (Ovid)
Es ist ein großartiges Drama, das uns Homer und Ovid in unterschiedlicher Weise erzählen: Ein mythisches Drama, in dem der Kampf der Mutter für die Tochter den Sieg davonträgt und der Zusammenhalt zwischen beiden hymnisch gefeiert wird.
Statt Vater und Sohn, die in unserer Religion als alleinvertretungsberechtigt erscheinen, also Mutter und Tochter. Wobei Demeter die Erde und Kore das Korn vertritt, das in und aus der Erde wächst. Die beiden Göttinnen arbeiten Hand in Hand, sind im Grunde eins im Kreislauf der Jahreszeiten. To Theó wurden sie deshalb in Griechenland auch genannt, eine Zweiheit, die als Einheit verehrt wurde.

Zeus und Hades (lat. Jupiter und Pluto) versuchen den Raub der Tochter in die Unterwelt – mit Liebe zu begründen, doch Demeter lässt sich Gewalt nicht als Liebe deuten. Zum Äußersten getrieben verweigert sie schließlich jegliches Wachstum und zeigt ihre wahre Macht: Wenn die Erde nichts mehr wachsen lässt, sind nicht nur die Götter am Ende. Es wird Zeit, die Erde wieder als eine eigenständige göttliche Wesenheit zu verstehen und zu verehren. Allzu lange haben wir die Mutter-Tochter-Beziehung in den monotheistischen Religionen als maß-gebende Kraft entbehren müssen.
Die Befreiung der Tochter aus den „Fängen der Unterwelt“ könnte so zu einem neuen Symbol der Auferstehung in unserer Zeit werden …
Vortrag: Vera Zingsem
Termin: Sonntag, 9. Februar 2025, 11 Uhr
Online-Vortrag – Zoom-Link wird nach der Anmeldung zugeschickt
15 Eurakel
Vera Zingsem
geb. 1954, Theologin, Pädagogin, Mythenforscherin, Tanzpädagogin (Kreis-und Folkloretänze), freie Autorin und Dozentin, zahlreiche Bücher und Essays zum Thema Spiritualität, weibliche Mythen und Symbolsprache. Gründungsmitglied von Polythea e.V.